Die Dachmarke Swiss Health akquiriert ausländische Patienten. Nun ist die Organisation verstärkt in Russland und den Golfstaaten aktiv. Und neu in China.
Simone Leitner Fürs Hotel Revue - www.htr.ch
Am lukrativen Geschäft mit dem Medizinaltourismus will auch die Schweiz teilhaben. Zwar etwas spät, sind sich Fachleute einig, «aber nicht zu spät», sagt Peter Kappert, CEO der Sonnenhof AG Bern. Er erkannte schon früh das Potenzial, verkaufte die Dienstleistungen seiner Kliniken in ausländischen Märkten und gründete die Firma Sonnenhof Swiss Health. «Wir bieten nicht ausschliesslich unsere Schweizer Kliniken für ausländische Patienten an, sondern auch unser Know-how.» Mit anderen Worten: Peter Kappert und sein Team sind international als Medizinal-Consultants tätig. Mit Management-Verträgen werden beispielsweise Kliniken im Mittleren Osten oder Indonesien geführt.
Die Schweiz muss sich in den Zielmärkten bemerkbar machen
Die Voraussetzungen, um sich ein grosses Stück vom globalen Gesundheitstourismus-Kuchen abzuschneiden, sind gut. Nur müsse sich die Schweiz in den Zielmärkten auch bemerkbar machen, mahnt Kappert, der auch Präsident und Mitgründer von The Swiss Leading Hospitals ist. Der Pionier anerkennt die Offensive der OSEC, die gemeinsam mit Schweiz Tourismus den Verein Swiss Health gegründet hat, doch es brauche mehr Mittel, um sich in den Märkten zu etablieren. «Ohne die Unterstützung der Politik ist dieses Business nicht professionell möglich», weiss der CEO der Sonnenhof AG. Damit spricht er dem CEO der Dachmarke Swiss Health aus dem Herzen: «Wir brauchen mehr Mittel, um uns zu positionieren», bestätigt Gregor Frei von Swiss Health. Anfang Jahr wurde neu ein Vorstand aus Vertretern der Mitgliedspitäler konstituiert, der dem Verein neues Leben einhauchte und «nun in Russland, Kasachstan, der arabischen Halbinsel (GCC) oder auch neu in China aktiv ist», sagt Frei. Mit einer Initialfinanzierung von einer Million Franken und den Mitgliederbeiträgen finanziert sich der Verein Swiss Health. Der Status quo reicht aber nicht: «Um weiterhin erfolgreich Kurs zu halten, müssen wir neue Mitglieder werben», so Frei. Jedes Spital bezahlt einen Mitgliederbeitrag zwischen 15000 und 50000 Franken. Die Strategie geht auf: Wo immer die Schweizer Delegation hinkommt, ist sie begehrt. «Die Schweiz hat wirklich ein hervorragendes Image, sei es nun medizinisch, politisch oder auch gesellschaftlich» – die Zielgruppe reagiere sehr positiv auf die Schweiz als Gesundheitsdestination, so Peter Kappert. Auch die lange Tradition der Medizinaltechnik spricht für die Schweiz.
Schwierigkeiten sehen die einen höchstens bei den fehlenden Direktflügen in die Schweiz, die anderen beim oft erschwerten Visa-Prozedere. «Wer krank ist, will nicht umsteigen», verdeutlicht Kappert. Und Gregor Frei erklärt, dass das Medizinal-Visum in Russland nicht mehr erhältlich sei.
Globaler Markt ist heiss umkämpft
Generell gesehen, kommen Medizinaltouristen aus Ländern, wo die medizinische Versorgung gut situierten Patienten nicht genügt. Aus diesen Ansprüchen ist ein globaler, lukrativer und heiss umkämpfter Markt entstanden. Die Treiber sind steigender Reichtum in Schwellenländern und auch demografische Umwälzungen. Ein belegtes Spitalbett generiere 2,5 Hotelbetten in der Luxushotellerie, befruchte die Finanzwirtschaft, Real Estate und die Luxusgüter, ist Studien zu entnehmen. Die USA, Deutschland, Singapur und andere teilen sich den Markt. Die Schweiz habe trotz idealer Voraussetzung Nachholbedarf, sagt auch Gregor Frei von Swiss Health. Zu den spannenden Zielmärkten gehören die Golfstaaten. Interessant dabei: Dubai selber hat sich zum Ziel gesetzt, einer der grossen Player im Markt zu werden. Fachleute zweifeln an der Schlagkraft von Dubai, und glauben nicht an die Chancen der Wüstenstadt im Medizinaltourismus. Denn Patienten würden sich am Bekanntheitsgrad medizinischer Koryphäen und deren Publikationen orientieren. «Die Schweiz hat all das zu bieten», so Frei.
Miguel Alonso, Leiter Patientenadministration der Uniklinik Balgrist in Zürich unterstreicht die Zusammenarbeit mit ausländischen Kunden. «Seien es die Reiseformalitäten oder die Finanzierung, wir haben keine Probleme.» Das Kompetenzzentrum für den Bewegungsapparat ist bei ausländischen Patienten beliebt.
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