24. August 2011 BZ Berner Zeitung
Von Brigitte Walser.
Die Spitaldichte im Raum Bern ist hoch. An einer Tagung der Schweizerischen Gesellschaft für Gesundheitspolitik diskutierten Fachleute am Dienstagabend, wie man dagegen vorgehen könnte.
Wer soll bestimmen, welche Berner Spitäler überleben und welche schliessen sollen: Der Markt oder die kantonale Planung? Diese Frage diskutierten Fachleute verschiedener Richtungen - und sie kamen zu unterschiedlichen Schlüssen an der Kurztagung, zu welcher die Schweizerische Gesellschaft für Gesundheitspolitik (SGGP) eingeladen hatte. Dass im Berner Spitalwesen ein Überangebot besteht, wurde nicht bestritten. «In Sachen Bettenzahlen sind wir Europameister», sagte Visana-Direktor Peter Fischer. Berner Spitäler kosteten zudem mehr als jene in Zürich. Adrian Dennler, Direktor der Hirslanden-Klinik Beau-Site, rief zum Mut auf, den Wettbewerb spielen zu lassen und warnte vor staatlichen Interventionen. Der Markt funktioniere bereits und die Patienten wählten ihr Spital aus. So sei es auch gewollt. «Wichtig ist die Wahlfreiheit des Patienten», sagte auch Gesundheitsökonom Heinz Locher. Eine Planung oder eine Mengenbegrenzung durch den Kanton sei nicht nötig.
Links- und Rechtsverkehr
Ganz so einfach sei das nicht, entgegnete Annamaria Müller Imboden, Vorsteherin des Spitalamts des Kantons Bern. Wolle man die Kosten in den Griff bekommen, müsse man auch über die Menge reden. Auf der Spitalliste seien deshalb Mengenangaben vorgesehen. Man werde aber noch klären müssen, mit welchen Konsequenzen ein Spital zu rechnen habe, das mehr Behandlungen durchführe als vorgesehen. Locher räumte ein, der Kanton befinde sich in einem Dilemma: Er habe einerseits eine Planungspflicht, andererseits solle er den Wettbewerb spielen lassen. «Das ist ein wenig Linksverkehr und ein wenig Rechtsverkehr gleichzeitig.»
Jürg Binz, Co-Präsident der Patientenstelle Bern, will sich nicht ganz auf Wettbewerb verlassen. «Es braucht Rahmenbedingungen», sagte er. Patienten erwarteten eine hohe Qualität und einen guten Zugang zur Gesundheitsversorgung.
Braucht es ein Stadtspital?
Fragen warf auch der Plan der Spital Netz Bern AG auf, die Berner Spitäler Ziegler und Tiefenau zu schliessen und stattdessen ein neues Stadtspital zu bauen. Reto Flück, CEO Spital Netz Bern AG, betonte, dass es keine Kantonsgelder brauche, um das neue Spital zu bauen. Dank dem Neubau werde man die Betriebskosten drastisch senken können. «Das wird die Steuer- und Prämienzahler freuen.» Peter Fischer setzt hinter die Pläne eines neuen Stadtspitals aus ökonomischer Sicht zwar ein Fragezeichen. Wenn ein Stadtspital aber nicht mit öffentlichen Geldern finanziert werden müsse, dann solle es möglich sein, so der Visana-Direktor. Peter Kappert, Präsident der Klinik Sonnenhof, blieb skeptisch. «Sie sind für die Finanzierung verantwortlich, wir wollen keine Bauruine», warnte er Reto Flück. Dieser beruhigte: Die Realisierungsvereinbarungen seien bereits unterzeichnet. Gemäss Locher braucht es kein neues Spital, man könne Ziegler und Tiefenau ersatzlos schliessen. Dass er sich mit diesem Votum in die Planung einmische, sei kein Widerspruch zu seiner Forderung, den Wettbewerb spielen zu lassen. «Wenn für alle gleich lange Spiesse gelten, dann soll jeder machen, was er will.» Das sei aber nicht der Fall, solange der Kanton Spitaleigentümer sei, «gleich lange Spiesse gibt es erst, wenn der Kanton alle Spitalaktien verkauft.»
Andreas Tobler, Ärztlicher Direktor Inselspital, wiederum machte zwischen Privatspitälern und Inselspital ungleich lange Spiesse aus. «Privatspitäler holen von uns zum Nulltarif Ärzte, die wir weitergebildet haben.» Diese Weiterbildungskosten seien nicht richtig abgebildet und müssten bei Vergleichen berücksichtigt werden. (Berner Zeitung)
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